Selbstwirksamkeit statt Ohnmacht
– wie wir in unsicheren Zeiten wirksam bleiben
Die WirKschaft-Kolleginnen Gabi Presslinger-Bukovica und Susanne Bauer sprachen bei der Agile Tour Vienna 2026 darüber, wie Menschen in unsicheren Zeiten ihre Selbstwirksamkeit stärken können und was das für agile Teams bedeutet.
Von Susanne Bauer

Die Agile Tour Vienna 2026 war auch dieses Jahr wieder eine großartige Gelegenheit, mit der agilen Community Wissen auszutauschen und spannende Gespräche zu führen. Die Inhalte der Talks waren stark vom Thema Künstliche Intelligenz geprägt, und auch von der Unsicherheit, die durch große Umbrüche wie der rasanten Entwicklung von KI einhergeht. Als Gabi und ich im Frühjahr unseren Talk einreichten, haben wir uns nach dem WirKschaft-Motto „Mehr Wir- und Wirkgefühl“ für das Thema Selbstwirksamkeit entschieden, und damit offenbar einen Nerv getroffen. Nicht nur wir merkten, dass die anhaltende Unsicherheit durch globale Krisen wie Kriege, Klimawandel oder schlechte wirtschaftliche Lage, begleitet durch politische Veränderungen, gefühlte Verschlechterung des Lebensstandards, usw. weiter befeuert wurde. Lösungsorientiert wie wir sind, wollten wir darüber sprechen, was wir aktiv tun können, um trotzdem wirksam zu bleiben und sich nicht vom Gefühl der Hilflosigkeit überwältigen zu lassen.
Zuversicht ins eigene Handeln
Der Auftakt unseres Talks war eine Definition von Selbstwirksamkeit. Wenn wir von Selbstwirksamkeit sprechen beziehen wir uns auf die Definition von Albert Bandura[1] : „Die Überzeugung einer Person, aufgrund eigener Kompetenzen auch schwierige Aufgaben oder Herausforderungen erfolgreich bewältigen zu können. Es ist das Vertrauen in die eigene Fähigkeit, Ereignisse zu beeinflussen und die eigene Umgebung zu steuern.“
Nach Albert Bandura entsteht Selbstwirksamkeit unter anderem durch eigene Erfolgserlebnisse, das Beobachten anderer, Ermutigung und unseren emotionalen Zustand. Gerade in Krisen können diese Quellen allerdings ins Wanken geraten. Stress, fehlende Kontrolle, widersprüchliche Anforderungen oder negative Erfahrungen können dazu führen, dass wir unsere eigenen Handlungsmöglichkeiten kleiner sehen, als sie tatsächlich sind.
Interessant wird es deshalb dort, wo wir miteinander arbeiten. Denn Selbstwirksamkeit kann im Arbeitsalltag gestärkt, aber auch unabsichtlich geschwächt werden. Micromanagement, vorschnelles Problemlösen, ein ständiger Blick auf Defizite oder fehlendes Vertrauen senden schnell die Botschaft: „Du kannst das offenbar nicht selbst.“
Was können wir stattdessen tun?
Ein erster Schritt: Wir nehmen uns selbst an der Nase und überlegen, in welchen Situationen wir vielleicht selbst schon einmal die Selbstwirksamkeit einer anderen Person reduziert haben - durch eine unüberlegte Handlung, Äußerung oder auch nur Mimik. Nach der Selbsterkenntnis kommt die Selbstreflexion: Wann fühle ich mich selbstwirksam? Was habe ich tatsächlich verändert oder bewegt und wo war ich vielleicht nur beschäftigt? Lege ich meinen Fokus auf Wirkung oder auf Aktivität? Ebenso hilfreich ist es, den eigenen Wirkungskreis bewusst in den Blick zu nehmen. Wie kann ich auch kleine Fortschritte sichtbar machen?
Nicht alles liegt in unserer Hand, aber fast immer mehr, als wir im ersten Moment denken. Daher ist der nächste Schritt das Erkunden der Möglichkeiten, es anders zu machen. Wir können Bedingungen schaffen, unter denen Menschen ihre eigene Wirkung erleben: Verantwortung ermöglichen und Handlungsspielräume eröffnen. Vertrauen und emotionalen Rückhalt geben, damit bei anderen das Gefühl bestärkt wird, etwas bewirken zu können. Denn wer die Selbstwirksamkeit anderer stärkt, stärkt damit auch die eigene Wirksamkeit.
Konkrete Ideen für agile Teams
Wenn wir das nun auf Teams umlegen, lautet die Frage zur Team-Selbstwirksamkeit: Wie sehr glauben wir, dass wir Herausforderungen als Team gemeinsam bewältigen können? Ausschlaggebend bei agilen Teams ist dabei der Grad der Autonomie. Teams, denen ständig das Steuer aus der Hand genommen wird, oder die Pseudo-Autonomie erleben, können sich nicht wirksam fühlen. Damit sinkt die Motivation, sich einzubringen, die Bereitschaft Verantwortung zu übernehmen und die Entscheidungsfreudigkeit. Die Aufgabe von Führungskräften und Agile Coaches ist daher nicht nur, die Autonomie für das Team herzustellen, sondern Entscheidungsräume zu schützen und zu erweitern.
Hilfreich dazu sind Reflexionsfragen, die z.B. in Retrospektiven bearbeitet werden können. Sie bieten gute Möglichkeiten, die eigene Wirksamkeit sichtbar zu machen:
Welche Entscheidung haben wir im letzten Sprint bewusst selbst getroffen?
Wo haben wir unseren Einfluss genutzt?
Wo haben wir Verantwortung abgegeben, obwohl wir sie hätten übernehmen können?
Welche organisatorischen Rahmenbedingungen können wir selbst verändern oder beeinflussen?
Welche Experimente möchten wir starten, ohne auf Zustimmung zu warten?
Welche unserer Arbeitsweisen folgen noch echtem Bedarf und welche nur der Gewohnheit?
Wo könnten wir mutiger entscheiden?
Wie können wir unsere Wirksamkeit messen?
Mehr Team-Selbstwirksamkeit
Diese und noch viel mehr konkrete Ideen haben wir in unserem Talk präsentiert. Wenn du Interesse daran hast, die Selbstwirksamkeit deines Teams zu stärken, Wirksamkeits-Interventionen selbst auszuprobieren und weitere konkrete Ideen für die Anwendung bei agilen Teams bekommen willst, dann melde dich gleich zu unserem online Mini-Workshop „Anleitung zur Team-Selbstwirksamkeit“ am 20. Oktober 2026 an oder kontaktiere uns unter office@wirkschaft.com
[1] Albert Bandura war ein kanadischer Psychologe. Er gilt als Entwickler der sozial-kognitiven Lerntheorie und prägte die Begrifflichkeit der Selbstwirksamkeitserwartung: https://de.wikipedia.org/wiki/Albert_Bandura





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